post
diwokiel_gehtmichan_3komma3

3KOMMA3 sagt: Digitalisierung #gehtmichan

Zum Auftakt unserer #gehtmichan-Kampagne ist das Social Media Team der Digitalen Woche Kiel bei 3KOMMA3 zu Gast. Das junge Kieler Start Up sitzt in der Alten Muthesius Kunsthochschule und ist auf Medienproduktion spezialisiert. 3KOMMA3 besteht aus Gunnar Dethlefsen, Halkert Sach und Torben Görldt. Unser Social Media Team war bei den drei Jungunternehmern zu Gast und hat ihnen ausführliche Fragen gestellt, inwieweit Digitalisierung für sie relevant ist und wie ihre Gedanken zu diesem Thema aussehen.

Moin Jungs, vielen Dank für eure Zeit! Wie stünde es um euren Arbeitsalltag, gäbe es die Digitalisierung nicht? Hätte 3KOMMA3 vor 30 Jahren das gleiche gemacht, d.h. Filme gedreht und Fotokampagnen erstellt?

Torben: Das ist schwer bis gar nicht zu beantworten. All unsere Lebens- und Arbeitsbereiche sind eng mit der Digitalisierung verbunden. Für uns gab es kein ‚vor der Digitalisierung‘, wir haben diesen Wechsel von analog zu digital im Arbeitskontext nie mitgemacht. Soll heißen: Wir haben nie analog gedreht, höchstens mal fotografiert – aber nie mit dem Hintergedanken, das dann auf diese Weise professionell zu machen.

Halkert: Für uns ist die Digitalisierung kein Prozess, sondern wir sind damit aufgewachsen. Das ist für uns schon immer ein fester Bestandteil im Leben gewesen.

Digitalisierung ist also für euch nicht weiter außergewöhnlich, nicht besonders erwähnenswert. Lässt sich das so sagen?

Torben: Ja, schon. Für uns ist eher das Analoge etwas Besonderes.

Halkert: Wir versuchen sogar den analogen Look in unseren Filmen zu simulieren. Und das machen wir digital.

diwokiel_3komma3_blog_01

Torben (Kamera, Schnitt, Compositing) von 3Komma3 + unscharf im Vordergrund: Halkert (Organisation, Drohnenpilot, Compositing)

Aber könntet ihr theoretisch analog arbeiten?

Gunnar: Ich als Fotograf müsste ich mich da einarbeiten. In unserem Arbeitsalltag werden analoge Produktionen so gut wie nicht gefordert.

Torben: Also ich habe mal mit einer Super 8-Kamera gefilmt, aber das hatte nichts mit 3KOMMA3 zu tun, sondern ergab sich in meiner Freizeit.

Halkert: Einmal habe ich ein Foto entwickelt, damals in der Schule in der siebten Klasse. Das war das einzige Mal, dass ich bisher wirklich analog gearbeitet habe.

Seit wann fotografiert und filmt ihr?

Gunnar: Das hat bei uns alles mit dem Studium der Multimedia Production an der FH Kiel angefangen. Vor sechs Jahren war das.

Torben: Vorher haben wir uns natürlich schon dafür interessiert, das mündete dann in unserem Studium, wo wir uns auch alle kennengelernt haben und 3KOMMA3 gewissermaßen geboren wurde. Ich habe vorher schon viel gefilmt, mit einer MiniDV Filmkamera, aber das war auch schon alles digital.

Was macht das Analoge im Gegensatz zum Digitalen für euch aus?

Halkert: Die Arbeit wäre schwieriger, aufwendiger. Man benötigt viel mehr und vor allem gewissermaßen ‚umständlicheres‘ Equipment. Man bräuchte mehr Menschen, die alles bedienen. Alles in allem wäre die Arbeit mit analogen Geräten viel kostspieliger. Die Apparate wären teurer und selbst der laufende Filmmeter für die Aufnahmen kostet Geld. Damals musste noch in Drehminuten kalkuliert werden, um die Kosten für die Filmrollen zu decken. Heute haben wir da unbegrenzte Möglichkeiten: Wir können so viel Rohmaterial aufnehmen, wie wir wollen, das kostet uns alles nichts. Außerdem ist uns durch die Digitalisierung die Möglichkeit des Selbststudiums gegeben: Wir können Techniken und Perspektiven ausprobieren, ohne wirklich Kosten zu verursachen. Einzig die Zeit, die wir dabei aufwenden, könnten wir theoretisch anrechnen. Bei analogen Produktionen ginge es nicht nur um Zeit, sondern auch um Geld.

Torben: Veranstaltungsvideos, die wir ja unter anderem produzieren, könnten wir analog gar nicht so in dem Umfang machen. Früher hatte man zum Beispiel lange Drehpausen, wenn erstmal die Filmrolle gewechselt werden musste. Heute steckt man einfach eine SD-Karte um oder braucht hin und wieder mal einen vollen Akku.

Gunnar: Unsere Ausgangslage ist einfach viel simpler und gleichzeitig flexibler. Dadurch können wir uns auf ganz andere Dinge konzentrieren, uns autodidaktisch immer weiterentwickeln. Auf YouTube findet man zum Beispiel viel Content, der durchaus für Inspiration sorgen kann.

Ob analog oder digital produziert: Ist das Ergebnis am Ende nicht das gleiche? Ein Bild ist ein Bild und ein Film ein Film?

Torben: Nein, da muss ich widersprechen, das ist absolut nicht das gleiche. Es geht da um eine ganz andere Ästhetik, die man mit dem Digitalen nicht erreichen kann. Das ist ein ganz anderer Look, den man digital nicht zu 100% nachproduzieren kann.

Halkert: Genau, den kann man höchstens simulieren, aber nicht exakt so darstellen.

Aber können Laien die Machart am Endprodukt erkennen?

Halkert: Das können nur die Vollprofis.

Torben: Es geht aber mehr darum, dass es etwas Besonderes ist, wenn zum Beispiel ein Musikvideo auf einem 16-mm-Film gedreht wurde.

Es geht also allein um das Wissen, dass es analog gedreht worden ist, und nicht um die Qualität des Endprodukts. Dass ein Film durch das Analoge besonders authentisch wirkt. Kann man das so behaupten?

Torben: Naja, die Leute wissen dann, dass hinter analogen Filmen viel mehr Arbeit steckt, dass es viel aufwendiger ist. Dass es etwas Besonderes ist.

Geht es dann darum, etwas ‚echt’ zu machen oder nur ‚besonders’?

Halkert: Da steckt bestimmt auch viel Nostalgie dahinter. Ein bisschen experimentieren, eine andere Erfahrung machen. Das ist wie mit Oldtimern: Damit zu fahren ist einfach ganz und gar nicht alltäglich, sondern ein Ding für Liebhaber.

Torben: Es gibt da eben auch unterschiedliche Meinungen. Es gibt Leute, die sagen, analog sei das einzig Wahre. Ähnlich wie bei Tonaufnahmen: Digitale Tonaufnahmen weisen anscheinend Defizite auf, analog seien die viel klarer. Andererseits bietet eben gerade das Digitale viel mehr Möglichkeiten.

Gunnar: Am Ende ist es eine Diskussion aus dem künstlerischen Bereich. Wir sind künstlerische Dienstleister – keine reinen Dienstleister aber eben auch keine reinen Künstler. Und in der Hinsicht lohnt sich die analoge Produktion von Film und Foto nicht bzw. müsste mit einem speziellen Projekt verknüpft sein, das den Mehraufwand rechtfertigen würde. Zumal die Möglichkeiten, Filmrollen zu kaufen oder Orte zu finden, an denen man die Filme schneiden kann, stark begrenzt sind. Außerhalb des Künstlerischen ist eben alles auf das Digitale ausgerichtet.

Für euch ist die Digitalisierung nicht wegzudenken. Seht ihr da trotz aller Vorteile auch Probleme?

Halkert: Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich alles weiterentwickelt. Wir sind zwar mit der Digitalisierung aufgewachsen, auch mit Social Media von Anfang an eigentlich, aber wir stellen selber immer wieder fest: Das ist einfach ein riesiger Berg. Es kommen immer neue Features dazu und es ist schwer, da immer am Ball zu bleiben. Und obwohl wir bei 3KOMMA3 im Bereich der digitalen Medien täglich auf hochprofessionellem Niveau arbeiten, müssen wir immer darauf achten, konstant dazuzulernen.

diwokiel_3komma3_blog_02

Kirsten vom Social Media Team der #diwokiel beim Interview in der Alten Muthesius

An welcher Stelle zum Beispiel?

Torben: Kameras. Jedes Jahr gibt es neue, modernere Kameras mit erweiterten oder zusätzlichen Features. Die Hersteller wollen sich da gegenseitig übertreffen.

Braucht man die ganzen neuen Features denn überhaupt? Machen die den Unterschied?

Halkert: Uns fallen die Unterschiede schon auf, vor allem in der Technik. Aber ich glaube, die Rezeption oder die Imagination von den Leuten, die sich einen Film angucken, bleibt im Grunde gleich ­– ob schlechtere oder bessere Qualität. Filme von vor 10 Jahren behalten ihre Wirkung, oder Filme aus der Kindheit, die einen damals umgehauen haben, obwohl das Bild im Vergleich zu heute total schlecht war.

Torben: Wenn man sein Handwerk beherrscht, dann macht man trotzdem gute Filme. Auch wenn die Kamera schon zwei Jahre alt ist oder nicht die teuerste auf dem Markt ist.

Gunnar: Man kann mit jeder beliebigen Kamera gute Bilder machen. Letztlich spielt das Wissen über Licht, Perspektive und Blitztechnik beim Fotografieren eine größere Rolle als die Kamera selbst.

Wenn also solche Aspekte im Vordergrund stehen, ist es am Ende doch aber egal, ob analog oder digital. Oder ist das eine falsche Schlussfolgerung?

Gunnar: Das stimmt auf jeden Fall. Analog und digital produzierte Bilder unterscheiden sich, wie gesagt, durch den spezifischen Look. Wenn ein Motiv gut gewählt und in Szene gesetzt ist, ist die Kamera egal.

Ihr sagtet anfangs, dass die Digitalisierung alle Lebensbereiche von euch beeinflusst. Könnt ihr Arbeit dann noch von Freizeit trennen?

Torben: Naja, durch 3KOMMA3 habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Privat filme ich kaum noch, denn ich bin einfach froh, auch mal nicht die Kamera dabei haben zu müssen.

Gunnar: Ich finde es für die Social Media Kanäle tatsächlich ziemlich praktisch, dass ich zwischendurch einfach ein Video aus der Cloud teilen kann. Bilderserien oder Filme sind immer verfügbar und abrufbar. Obwohl ich privat ganz bewusst versuche, nicht immer zur Kamera zu greifen und zum Beispiel Konzerte einfach nur zu genießen.

Halkert: Freunde und Familie fragen mich oft, ob ich nicht ein bisschen fotografieren kann, auf Hochzeiten oder Geburtstagen. Im Sinne von: „Du machst das ja beruflich, für dich ist das doch kein Problem.“ Und dann steht man da, hat die Kamera in der Hand und ist nicht mehr nur privat als Gast auf der Veranstaltung. Man kann dann nicht einfach halbherzig ein paar Bilder knipsen, man wird ganz automatisch professionell.

Okay, vielen lieben Dank für eure Zeit, die interessanten Einblicke in euer junges Start Up und eure Gedanken zur Digitalisierung.