5 Gründe, warum Ihr Euch mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen solltet

In der vierten Runde unserer „5 Gründe, warum…“-Kampagne, erzählt Doris Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel, weshalb Ihr euch mit künstlicher Intelligenz beschäftigen solltet. Wie immer findet Ihr den Clip auf unserer Startseite und für alle Freund*innen des Schriftlichen gibt’s Doris Weßels‘ 5 Gründe auch hier nochmal zum Nachlesen:

 

Erstens: KI ist die Schreibpartnerin der Zukunft

KI in der Textverarbeitung und -generierung schafft es, dass wir endlich eine*n Schreibpartner*in an unserer Seite sitzen haben, die allzeit bereit und immer verfügbar ist. Ähnlich wie „Alexa“ als digitale Assistentin, setzt sich nun eine Softwarelösung in Form von KI als virtuelle*r Schreibpartner*in quasi mit uns an den Schreibtisch.  Wir müssen nicht mehr alleine schreiben, sondern uns unterstützt ein digitaler Schreibbot.

 

Zweitens: KI macht die Textproduktion einfacher

Durch die Zusammenarbeit mit einem Schreibbot kann das Schreiben sogar viel mehr Spaß machen. Denn wer kennt die Situation nicht: allein vor dem Rechner mit einer Aufgabenstellung oder einem Thema und dort liegt ein leeres Blatt (analog oder digital). Einem fällt nichts ein und der Zeitdruck ist spürbar. Nun kommt unsere KI-Lösung zum Einsatz, bei der wir ein paar Stichpunkte eingeben, einmal ein „Generate“ drücken und schon wird etwas produziert.

Das kann etwas sein, was uns gar nicht gefällt, was thematisch überhaupt nicht passt, aber es beschert uns sicherlich auch eine Inspiration oder einen Gedanken.

 

Drittens: KI steigert unsere Produktivität

Mit solchen KI-Lösungen können wir tatsächlich auch die Produktivität steigern. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt, der im Moment noch wenig thematisiert wird. Wenn es uns gelingt in der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Software (zum Beispiel einer KI-Anwendung wie Natural Language Processing) eine produktive Zusammenarbeit herzustellen, dann arbeiten wir quasi zu zweit an einer Aufgabenstellung. Hieraus kann ein sehr befruchtender Dialog entstehen, welcher auch die Produktivität deutlich steigern kann. Bis zu welchem Grad das wissen wir noch nicht, aber der Bereich KI entwickelt sich schnell und wir können davon ausgehen, dass sich die Produktivität eigentlich kontinuierlich weiter steigern wird.

 

Viertens: KI führt uns zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen

KI kann uns auch zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen. Der Springer Nature Verlag beispielsweise, hat bereits 2019 ein Werk herausgegeben haben, bei dem kein menschlicher Autor, sondern ein Beta Writer als KI-Lösung ein Buch zu einem Stand der Wissenschaft, in dem Fall ein Themengebiet der Batterieforschung, geschrieben hat. Damals haben die Manager des Springer Nature Verlags schon gesagt: Das sei der Einstieg in eine neue Ära, denn wir werden demnächst drei Varianten von Büchern haben: Das typische Buch, nur vom Menschen geschrieben, die zweite Kategorie, Mensch plus Maschine, und die dritte Kategorie, nur noch KI.

Im vergangenen Mai hat Springer Nature zudem ein Buch des italienischen Wissenschaftlers und Professors Visconti zur Planeten- und Klimaforschung herausgegeben. Hierfür musste Visconti viel Literatur sichten und Literaturanalysen sowie Literaturübersichten erstellen. Dabei hat er sich eine KI-Lösung zu Nutze gemacht, sodass die beiden gemeinsam gearbeitet haben. Professor Visconti hat auf Basis von KI generierten Literaturübersichten geschrieben. Dabei hat er festgestellt, dass diese intensive und sehr analytische Kraft durch künstliche Intelligenz dazu führt, dass er neue Zusammenhänge entdeckt hat bzw. dass KI ihm Zusammenhänge klarer gemacht hat, die er allein vielleicht nie oder deutlich später gefunden hätte.
Demnach wird deutlich, dass KI ein „Turbo“ für wissenschaftliche Forschung und Publikationen sein kann. Das Beispiel der Springer Nature Manager zeigt exemplarisch die neue Form der Produktion von solchen wissenschaftlichen Publikationen von Mensch und Maschine.

 

Fünftens: KI birgt auch Risiken, die wir bestmöglich verstehen müssen

Der fünfte Grund, wieso Ihr euch mit KI beschäftigen solltet in diesem Kontext, ist, dass wir alle auch Kund*in oder Anwender*in oder Nutzer*in sind. Das bedeutet, dass wir verstehen sollten, was eine KI macht, was kann sie heute, wie denkt sie, um nicht zu Opfern zu werden. Denn das Leben in einer Welt, die uns künstliche Intelligenzen beschert, birgt nicht nur die Vorteile, sondern es birgt auch viele Risiken. Ein Ur-Angst, die in vielen von uns steckt, ist, dass KI uns überflüssig macht; dass KI dominiert und dass wir Menschen dann verlieren, von dem was wir eigentlich geschaffen haben. Das zu verhindern ist eine sportliche Aufgabe. Hierfür müssen wir auch unsere Kompetenzen steigern. Wir müssen bestmöglich verstehen, wie das Ganze funktioniert, obwohl vieles ein bisschen Black Box und nicht so ganz transparent ist. Aber wir werden die Entwicklung nicht aufhalten können. Es gibt ein berühmtes Zitat von Frau Fiorina, frühere Chefin von Hewlett-Packard, die gesagt hat: „Alles was digitalisierbar ist, wird auch digitalisiert.“ Das bedeutet also: Aufhalten können wir die Digitalisierung ohnehin nicht, aber wir müssen es gemeinsam, auch als Gesellschaft, kanalisieren. Wir müssen versuchen Wege zu beschreiten, die wir für vertretbar erachten und versuchen auf der anderen Seite die Risiken, wo wir sagen, da geht es wirklich zu weit, das müssen wir in einem weltweiten Verbund, in einem weltweiten gemeinsamen Verständnis versuchen noch auszubremsen.