#diwokiel19 – Verena unterwegs: Dienstag (2 – Recap)

Mein Dienstag der #diwokiel19 hat mit einer Veranstaltung an der Humboldt-Schule begonnen: Hier lernen Grundschüler*innen der Goethe-Grundschule (GGS) im Rahmen ihrer Projektwoche von Humboldt-Schüler*innen der 8.-12. Klasse der das Programmieren. Letztere wählten innerhalb der Projektwoche selbst ihre Wunschveranstaltungen, daher war es umso erfreulicher das Geschlechterverhältnis ausgeglichen zu sehen. Die Humboldt-Schüler*innen brachten unterschiedliche IT-Kenntnisse mit. Einige hatten sich schon in ihrer Freizeit mit dem Programmieren auseinandergesetzt, die anderen erst kurz zuvor erste Kontakte mit der Materie. In Zweier-Teams hatten die Kids die Möglichkeit, einen kurzen Film oder ein Spiel zu programmieren. Wie der Film oder das Spiel auszusehen hatte, war völlig der Fantasie der Macher*innen überlassen. Da sah man Pferde in der Wüste oder Spieler*innen auf einem Fußballfeld ganz nah an der Realität. Die Kreativität kennt bekanntermaßen keine Grenzen und da setzt man dann schon gerne mal Pinguine in die Wüste und lässt sie dabei mit einer Taube schnacken. Auch toll war, dass die Schüler*innen mit Paint ihre ganz eigenen Dinge, Grafiken oder Gegenstände zeichnen, diese abfotografieren und so in den Film oder das Spiel integrieren konnten. Hieraus enstanden dann auch rege Diskussionen darüber, wie sich die Physik eines Basketballs im Spiel am realistischsten nachahmen lasse. Die sehr amüsante und durchaus korrekte Antwort eines Grundschülers darauf war: „Keine Ahnung, vielleicht auf den Boden.“ Zusammengefasst erscheint mir dieses Format, in dem ältere Kinder Grundschüler*innen das Programmieren beibringen erscheint mir irgendwie barrierefreier, als wenn die jüngeren Kids es sich von Erwachsenen erklären ließen. Die kindliche Kreativität erschien mir viel freier, höchstens durch einen älteren kindlichen Blick ergänzt. Die Lehrkompetenz und Geduld, die die älteren Kinder an den an den Tag gelegt haben, beeindruckte mich total. Und es war wirklich schön, unmittelbar mitzubekommen wie selbstverständlich digitalen Themen für Kinder im Grundschulalter sind.

Weiter ging es für mich dann mittags mit einem Besuch beim OKSH. Und lasst mich es mal ganz direkt formulieren: Das hat meinen schon recht beeindruckenden Vormittag noch getoppt! Zu Beginn wurde ich herzlichst von Katharina Coordes empfangen, die mir direkt die verschiedenen Stationen des News Checks zeigte. Das Veranstaltungsformat ‚News Check‘ des Offenen Kanal Schleswig-Holstein hat das Ziel, junge Menschen in ihrer Medienkompetenz zu bilden. So soll mit Medien über Medien gelernt werden. Die aktive Medienarbeit wird auf Stationen heruntergebrochen, die möglichst barrierefrei konzipiert sind, damit möglichst jede*r Zugang findet. Angemeldet hatten sich für diesen Tag Bufdis und FSJ-ler*innen, die die Stationen in einer Gruppengröße von 2-3 Personen  besuchten. Am Ende des Tages wurde dann eine richtige Sendung aufgenommen, in der die Teilnehmenden ihre Erfahrungen teilen sollten und die sie gleichzeitig selbst produzierten. So bedienten die FSJ-ler*innen und Bufdis auch die Technik und wurden kompakt in Ton, Steuerung, Kameraarbeit und Bildregie geschult. Die Teams wurden in den Interviews dann jeweils zu ihrer letzten Station befragt. So sollten sie erzählen, was sie spannend und interessant fanden und vor allem, was sie überrascht hat. Am Ende hat jede*r Teilnehmer*in das Produkt der Sendung mit nach Hause nehmen können, denn mit Abstand und „on screen“ wirkt das ganze nochmal ganz anders, als wenn man selbst der Moderatorin im Moment der Aufnahme gegenüber sitzt. So lernten die Teilnehmenden neben der Auseinandersetzung mit Fake News, Social Bots und Filterblasen, auch die Produktion einer Nachrichtensendung kennen. Diese Praxiserfahrung, eine Nachrichtensendung selbst zu produzieren, hat mir sehr gut gefallen. Durch die vielen innovativen Lernmethoden, die der OKSH in den einzelnen Stationen realisiert, lassen sich tolle praktische Ergebnisse erzielen, die durch reine Theorie nicht erfahrbar gewesen wären. So wird zum Beispiel bei der Station ‚News Checken‘ durch eine digitale Schnitzeljagd mit der App ‚Actionbound‘ spielerisch gelernt, wie man Fake News entlarvt. Noch zwei weitere Stationen beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise und mit Hilfe der App ‚Fake-News-Check‘ und der Website hoaxmap.org mit dem entlarven und kennenlernen von Fake News. Wie erkenne ich sie? Auf welche Zeichen muss ich achten und wo überall sind sie potenziell zu finden? Eine weitere Station beschäftigt sich mit Filterblasen. Die Teilnehmenden bemühen Suchmaschinen sowohl auf ihren eigenen als auch auf den Geräten des OKSH nach bestimmten Begriffen und schauen sich die Suchergebnisse an. Man kann sich vorstellen, dass die Suche sehr unterschiedlich ausfällt, je nachdem welches Gerät man in der Hand hält. Wenn man sich über solche Filterblasen im Klaren ist, kann man sie auch durchbrechen. So sollte man des Öfteren mal Cookies löschen oder alternative Suchmaschinen ausprobieren. In zwei Stationen werden die Teilnehmenden vom OKSH-Personal begleitet, da in diesen für die nachfolgende Sendung produziert wird und dementsprechend jeder Schritt sitzen muss. Der Ideenreichtum des Formats hat mich angenehm überrascht und ich war begeistert, wie man spielerisch Medienkompetenz vermitteln kann. Damit ist sicher der ein oder andere Funke Medienliebe zu den Bufdis und FSJ-ler*innen übergesprungen. (Fake) News und Medien allgemein spielen in unserem Alltag definitiv eine Hauptrolle und sind nur durch entsprechende Kompetenzen zu handlen – diese Skills scheinen mir durch ein solches Format echt super vermittelt!

Als letzte Station dieses Tages begab ich mich in eine meiner Lieblings-Locations in Kiel, dem Studio Filmtheater. Dort erwarteten mich drei Vorträge über künstliche Intelligenz: Es sprachen Dr. Jörg Nickel von der Staatskanzlei Schleswig-Holstein, Johannes Fesefeldt von der Deutschen Gesellschaft für Personalwesen e.V. und Steffen Brandt von opencampus.sh. Jörg Nickel berichtete von seiner Arbeit in der Staatskanzlei, wo er als unterstützende Kraft für den Ministerpräsidenten arbeitet. Dabei beschäftigt sich Jörg bspw. damit, wie sich Politik durch digitale Entwicklungen verändert. In diesem Kontext ging er näher auf die strategischen Eckpfeiler Schleswig-Holsteins ein, um KI-Strukturen auszubauen. Die Ziele, die das Land dabei verfolgt, seien u.a. die Wettbewerbsfähigkeit der KMU, sowie die Akzeptanz von K.I. in der Bevölkerung stärken, Online-Kurse anzubieten und Datenplattformen zu schaffen, welche zum Austausch und der Forschung dienen. Dabei solle im Zentrum stehen, dass Schleswig-Holstein für eine transparente, nachvollziehbare und ethisch vertretbare Anwendung von künstlicher Intelligenz steht. Interessant war auch der Punkt, die Strategie fokussiere v.a. den Austausch jener Daten, die bereits vorliegen. So seien Datensätze oft vorhanden, würden aber nicht weiter- oder zielführend genutzt. Es sei bspw. schon lange absehbar gewesen, dass es in nicht allzu ferner Zukunft einen Grundschullehrer*innen Mangel geben werde, entsprechende Daten wurden aber nicht ausgewertet und an entsprechende Stellen weitergeleitet. Steffens Vortrag hingegen zielte primär darauf ab, über Bildungsangebote zum Thema Machine Learning zu informieren. Dabei solle vor allem das konzeptionelle Verständnis von K.I. gestärkt werden. Er sprach sich für Kurse auf Plattformen, wie zum Beispiel deeplearning.ai, aus, die Studierende verpflichtend in jedem Studium besuchen sollten. Die drei Vorträge waren durchaus interessant, aber doch eher an ein Fachpublikum gerichtet. Ich hatte große Anstrengung, dem ‚Bigger Picture‘ zu folgen und bin oft an kleinen Dingen hängen geblieben, die für mit diesem Thema vertrauten Personen sicherlich überhaupt kein Verständnisproblem darstellen. Trotzdem konnte ich meinen Horizont erweitern und fand es v.a. mal spannend, die K.I.-Strategie von Schleswig Holstein kennenzulernen – mit diesem interessanten Konzept, dass ich mir im Nachgang des Events direkt mal als pdf runtergeladen habe, wäre ich sonst niemals in Berührung gekommen.

Das waren meine drei Events für heute. Wo es morgen hingeht, erfahrt ihr wie gewohnt zwischen 9 und 10Uhr in den News der #diwokiel19 🙂

Eure Verena