#diwokiel19 – Verena unterwegs: Fazit

Liebe diwokiel-Community,

die Digitale Woche Kiel 2019 ist vorbei, aber die Erinnerungen bleiben! Mich an diesen letzten Blogbeitrag für euch zu setzen ist gar nicht so einfach. Dieser soll nämlich bestenfalls all das, was ich auf unserem Digitalfestival erlebt habe, zusammenfassen. Aber wie fasst man so viele verschiedene Eindrücke, Gefühle, Gedanken und Erlebnisse in einem Text zusammen – ohne, dass er sich super verwirrend und zusammengewürfelt für die Leser*innen anhört? Naja „Challenge accepted“ würde ich sagen. In diesem Sinne: lehnt euch zurück und genießt meinen letzten schriftlichen Höhenflug zur #diwokiel19 🙂

In eine Welt hineingeworfen zu werden, die vermeintlich so gar nichts mit meinem Leben und meinen Interessen in meiner Freizeit zu tun hat, war eine unglaublich spannende und augenöffnende Erfahrung für mich.
Digitalisierung galt mir zuerst einmal als diffuses Feld, unter dem ich für mich nicht so recht zusammenfassen konnte, was es eigentlich bedeutet. Die Interessen in meiner privaten Blase drehen sich nicht unbedingt um dieses Thema. Außer ich rege mich mal wieder über das langsame Internet in meiner Wohnung oder in Deutschland insgesamt auf. Meine Vorliebe für große LED-Flachbildfernseher und meine leistungsstarke PlayStation 4, die Spiele mit der neuesten Grafik auf eben diesen projiziert, hat in meinem Privatleben noch den größten Bezug zum Digitalen. Das habe ich zumindest gedacht. Denn wo überall Digitalisierung ‚drinsteckt‘ und wie sehr dieses Themenfeld mit unserem täglichen Leben verwoben ist, erstaunt mich. Es ist aus den alltäglichsten Dingen nicht mehr wegzudenken und verschmilzt mit den vertrautesten Handlungen und Gedanken, die wir haben – ohne, dass wir uns im Klaren darüber sind, dass sich diese ebenfalls um das Thema Digitalisierung drehen. So erging es auch mir. Die #diwokiel19 hat mir einen Zugang ermöglicht, den ich in meiner Blase sonst niemals erfahren hätte. Umso schöner war es in eine Welt einzutauchen, die ich quasi mit Kinderaugen betrachtete, denn ich hatte von nichts einen Plan, war allerdings wissbegierig und sog das Neue auf wie ein Schwamm.

Ihr könnt euch also vorstellen, wenn ihr das nicht sowieso schon aus meinen Blogartikeln über die Woche herausgelesen habt, dass es mir viel Spaß gemacht hat, mich in Situationen zu begeben, die neu für mich waren. Man gibt eine gewisse Sicherheit ab und lässt sich anders auf die Situationen ein, als wenn Vorwissen vorhanden ist. Ich habe mir oft vorgestellt, wie es wohl von außen ausgesehen haben muss, wenn ich mit meinem Block und meinem Stift in die Veranstaltungen kam und naiv fragte: „Und was macht ihr hier so?“ Besonders ist mir n diesem Kontext die Veranstaltung über Cyber Security im Gedächtnis geblieben. Als ich dort ankam, bot sich mir ein sehr amüsantes Bild. Die Teilnehmer (hier gendere ich absichtlich nicht) waren alle männlich. Meine Erscheinung innerhalb dieser Gruppe erschien mir insgesamt fremdartig, da ich meine bunte 80er-Jahre-Jacke anhatte und als einzige Person mitschrieb. Ein paar Tage nach Veröffentlichung des Blogbeitrags, in dem ich über diese lustige Situation schrieb, kam Doris Weßels von der FH Kiel auf mich zu und sprach mich auf diesen an. Ich habe mich sehr darüber gefreut zu hören, wie amüsant sie die von mir geschilderte Situation fand. Aber nicht in jeder Veranstaltung stach ich raus wie ein bunter Vogel, denn Digitalisierung ist schon längst nicht mehr nur Männern im Anzug vorbehalten, sondern zieht sich durch alle Altersgruppen und Geschlechter, wie ich zum Glück feststellen durfte.

Beim LoL-Trainingscamp in der Halle400

Besonders hat mich das Geschlechterverhältnis unter den Kindern und Jugendlichen begeistert, wenn ich Veranstaltungen besucht habe, bei denen es um das Programmieren oder Ausprobieren von digitaler Technik ging. Im Gespräch mit den Lehrer*innen wurde oft betont, dass in der jetzigen Generation der Grundschüler*innen kaum noch Unterschiede der Geschlechter bestehen würden, was Digitales angeht. So waren die Programmierkurse geschlechtertechnisch bunt durchmixt, genauso wie die Interessenslage an digitalen Themen nicht mehr ausschließlich von Jungs dominiert war. Wenn man sich diese Entwicklung so anschaut, freue ich mich schon auf die neue Generation eSportler*innen und Programmierer*innen, die den Arbeitsmarkt und die Sportwelt aufmischen werden. Denn auch wenn die Unternehmen und viele Sparten des Arbeitsmarktes noch männlich dominiert sind, wächst anscheinend eine Generation Frauen heran, die sich nicht mehr mit gesellschaftlich vorgegeben Grenzen beschäftigt, sondern einfach das macht worauf, sie Bock hat. Ob das bis ins Teenager- und Erwachsenenalter hält, wenn man sich mit der Pubertät und den vielen gesellschaftlichen Zwängen auseinandersetzen muss, sei dahingestellt. Aber es gibt mir zumindest Hoffnung, irgendwann einmal mit einer eSportlerin im Profibereich mitfiebern zu können.

Die Vielfalt der Veranstaltungen war nicht nur für Schulen und Unternehmen interessant, sondern auch für einzelne Privatpersonen wie mich. Die Nutzung vieler technischer High-End-Produkte ist für mich im Studierenden-Alltag allein aus Kostengründen nicht möglich und sich einfach so mit teuren Gerätschaften direkt beschäftigen zu können, die sonst nur Spezialist*innen und Expert*innen vorbehalten sind, erschien mir als ein Privileg. Dass ich mich beispielsweise einfach an einen Hochleistungs-PC setzen und eine Runde League of Legends zocken konnte, war ebenso spannend wie Roboter oder Lichtinstallationen zu programmieren. Niedrige Zugangsschwellen waren, sind und bleiben für mich hier der Schlüssel. Weiterhin bedeutet derlei Event-Vielfalt auch unzählige verschiedene Herangehensweisen an ein derart komplexes Thema wie Digitalisierung. Ideen, die sonst vielleicht durch ein Raster fallen, können durch Formate wie die Digitale Woche Kiel aufgefangen und genutzt werden: So können zum Beispiel die Inspirationen der theoretischen Apps aus dem Green City Hackathon genutzt werden, um reelle Veränderung anzustoßen, die den Verkehr in Kiel weiterentwickeln und so zu einer aktiven Umgestaltung beitragen. Und glaubt mir: Neue Arten der Fortbewegung machen echt Laune. Schwingt euch mal auf einen Elektroroller und versucht, dabei keinen Spaß zu haben. Oder seid ihr schon mal in einem Elektroauto unterwegs gewesen? Ich habe im Rahmen der Vorbereitung zur #diwokiel19 einige Werbemittel mit einem E-Smart ausgefahren. Auch wenn ein Auto mit Elektroantrieb jetzt vielleicht nicht die krasseste Neuerung in Sachen Fortbewegung ist, hat es doch echt großen Spaß gemacht, sich mit dieser Technologie auseinanderzusetzen und geräuschlos über die Straßen zu gleiten. Außerdem habe ich unsere Landeshauptstadt durch diese Touren nochmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen dürfen und wunderschöne Ecken entdeckt, in die es mich in den letzten drei Jahren, also seit ich hier lebe, vorher noch nie verschlagen hatte.

Meine vielen und größtenteils wirklich interessanten Gespräche, die ich während der Digitalen Woche Kiel geführt habe, haben mich alle auf ihre eigene Art ‚fortgebildet‘. So war ich nicht wirklich erstaunt, als ich von Martin Müller, Projektleiter beim Landeszentrum für eSport und Digitalisierung Schleswig-Holstein (LESZ), erfuhr, dass im Bereich der Elternbildung noch viel getan werden müsse. Gleichzeitig war ich aber sehr positiv überrascht, wie viel in diesem Bereich schon getan wird, um eSport als einen Breitensport zu etablieren und Jugendlichen sowie Erwachsenen die Chance zu ermöglichen, diesen Sport überhaupt auszuüben. Sicherlich habe ich aufgrund meiner eigenen Interessen an diesem thematischen Teil der Digitalen Woche Kiel 2019 besonders viel herumgestochert und freue mich jetzt schon darauf in diese Richtung weiter zu recherchieren. Vielleicht gibt es zukünftig ja eine Möglichkeit, meine beiden Lieblingsforschungsfelder Medienwissenschaft und Soziologie zu vereinen und wissenschaftlich für das LESZ tätig zu sein – abgeneigt wäre ich auf jeden Fall nicht.

Stark rätselnde Gesichter beim Pub-Quiz an der Kiellinie-Nord

Abschließend möchte ich euch noch vom Pub-Quiz berichten, das ich am Samstag mit ein paar Freun*innen besucht habe. Hier sollte das digitale und Kiel-bezogene Wissen der Teilnehmenden auf die Probe gestellt werden. Veranstaltet wurde das Event von der diwokiel selbst in Kooperation mit ‚Schwarmintelligenz – Das Quiz‘, und anmelden konnte sich jedes Team zwischen drei und sechs Personen. Unser Team bestand aus drei weiteren Geisteswissenschaftsstudierenden und meiner Wenigkeit. Somit waren wir in Sachen Digitalisierung eher bescheiden aufgestellt, niemand von uns lebt richtig lange in Kiel, dementsprechend haben wir das Schlimmste befürchtet. Kurzzeitig bestätigten sich unsere Vermutungen, als wir die niederländische Flagge mit der luxemburgischen verwechselten oder als uns die dritte deutsche Großstadt mit vier Buchstaben nicht mehr einfiel. Insgesamt haben wir uns allerdings gut geschlagen und das gemeinsame Rätseln hat noch viel mehr Spaß gemacht als vorher gedacht. Alleine die Protagonist*innen vier berühmter Games richtig zuzuordnen, war richtig cool und selbst für mich als Gamerin herausfordernd. Na, wisst ihr zu welchem Spiel mit Suchtfaktor ‚Grommash Höllschrei‘ gehört? 😉 Ein gelungener Abschluss der #diwokiel19 und hoffentlich eine Veranstaltung, die wir auch im September 2020 wiedersehen werden. Hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht, wir sind am 16.10.2019 in der Lille-Brauerei wieder dabei, falls ihr euch mit uns anlegen wollt. Seid aber gewarnt, an der Kiellinie-Nord haben wir den sechsten Platz gemacht und werden bis zu besagtem Termin noch hart trainieren. 😉

Zusammengefasst war die Digitale Woche Kiel 2019 eine echt intensive Zeit, die so spannend war, dass sie viel zu schnell vorbei ging. Ich nehme jede einzelne dieser Erfahrungen mit und nutze sie, um meine Zukunft zu gestalten, gerade in Hinblick auf mein bald endendes Studium. Ich bin mit Menschen in Kontakt getreten, die mein weiteres Vorangehen definitiv prägen und die neben den von mir gesammelten Eindrücken hoffentlich auch noch weiterhin eine Rolle in meinem Leben spielen werden. Wenn jedes Themenfeld in meinem Gehirn ein Fass wäre, das ich mit Wissen füllen kann, dann wäre das ‚Digitalisierungs-Fass‘ um unzählige bunte Eindrücke, Gedanken, Erlebnisse und Wünsche reicher. Ich hoffe, ihr konntet etwas von meinen Erlebnissen und Eindrücken mitnehmen. Mit ein klein wenig Glück sieht man sich bestimmt auf der Digitalen Woche 2020 wieder. Bis dahin: Bleibt neugierig und haltet die Augen offen für neue spannende Dinge, die in eure Richtung rauschen.

Eure Verena