#diwokiel19 – Verena unterwegs: Freitag (2 – Recap)

Moin diwokiel-Commuity,

mein Freitag der #diwokiel19 begann mit dem Event „Project Lighthouse“ am Institut für Informatik der CAU. Organisiert wird das Projekt von der Software-Challenge, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Nachwuchs in Informatik und den MINT-Fächern zu fördern. Wie sehr sich die MINT-Fächer mit Informatik verwoben haben, erklärte uns der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. rer. nat. Frank Kempken, der ursprünglich aus der Biologie kommt. So seien bspw. auch in der Biologie Molekulardaten von Nöten, die ohne Informatik nicht auswertbar wären. Kempken unterstützt Projekte wie das von Jonas Lutz, Andreas Boysen, Merlin Kötzing und Chris Kulessa: Ihr „Project Lighthouse“, das mit 30.000 Euro gefördert wird, solle vor allem einen ersten Kontakt zum Programmieren herstellen. Der Auftrag, die vermeintlich unüberwindbare Distanz, die jemand wie ich empfindet, wenn ich an Informatik denke, zu brechen und Möglichkeiten aufzuzeigen, mit Programmiersprachen etwas zu erschaffen, fasziniert mich. Das Grundprinzip vom „Project Lighthouse“ ist denkbar einfach: Das CAU-Hochhaus am Christian-Albrechts-Platz hat eine LED-Leiste an jedem Fenster, die jeweils in verschiedenen Farben programmiert werden kann. Die Fassade des Hochhauses dient also als riesiges Display, auf dem man sich austoben kann. So wurden an diese Fassade schon berühmte Games wie Snake, Tetris und Pong programmiert. Ich hatte also einen PC vor mir und sollte innerhalb von drei Stunden etwas auf das fiktive 14×28 große CAU-Hochhaus projizieren – ich mit meiner null Erfahrung im Programmieren. Das ist doch niemals zu schaffen, dachte ich. Aber falsch gedacht! Das Programm Blockly Games, das wir nutzten, war recht schnell zu durchdringen und so hatte ich bereits nach einer Stunde einen hübschen Regenbogen auf dem Screen, der sich im Sekundentakt über mein Mini-Hochhaus schob. Die Oberfläche war sehr benutzer*innenfreundlich und das Gefühl innerhalb so kurzer Zeit etwas erschaffen zu haben, war sehr zufriedenstellend. Wir hatten Bausteine, die wir nacheinander und je nach Ergebniswunsch zusammensetzten, bis das Set komplett war. Neben mir saß ebenfalls eine Studierende und wir haben uns kurz darüber unterhalten, was wir studieren. Wir mussten beide sehr lachen, als wir bemerkten, dass wir mit keinerlei Vorerfahrung in diesem Workshop saßen und dazu auch noch beide vom Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien kommen. Das Ziel des Projektes hatten die Initionator*innen in meinem Fall definitiv erreicht: Mir, also jemandem, die keine Ahnung von Informatik hat, einen Zugang zum Thema zu verschaffen und mir zu ermöglichen, in sehr kurzer Zeit etwas Kreatives zu schaffen – Krass und großartig, anders kann ich mein Empfinden gerade nicht beschreiben. Meine Kreation hat es zwar heute nicht aufs Uni-Gebäude geschafft, aber ich bin total gespannt, wie die gewählten Werke in der Realität und in voller Größe wirken.

Weiter ging es für mich aufs Ostufer, genauer gesagt in die FH Kiel zu „Tech & Taff: Frauen. Unternehmen. Digitalisierung“. Die Veranstaltung erschien mir als ein toller Ort, um sich mit vielen Frauen aus den verschiedensten Bereichen der Arbeitswelt auszutauschen und möglichst viel von ihnen zu lernen. Zu Beginn redete Simone Menne, die vor ein paar Jahren als erste Frau den Finanzvorstand eines DAX-Konzerns inne hatte. Mir wurde das Glück zuteil, mich mit ihr im Speedmentoring kurz auszutauschen und persönlich mit ihr zu reden – aber dazu später. In ihrer Rede machte sie vor allem auf die festgefahrenen Stereotypen aufmerksam, die in der Gesellschaft in Bezug auf Geschlechterrollen immer noch sehr stark vorherrschen. Es gäbe bereits Unterschiede in der Art und Weise, wie wir männliche oder weibliche Babys behandeln. Weiterhin nähmen sich Frauen des Öfteren zurück, während Männer eher mit Mut und Risikobereitschaft assoziiert werden. Sie nannte anschauliche Beispiele aus dem Real Life und erklärte, dass aus diesen auch eine unterschiedliche Behandlung im Arbeitsleben resultiere. Derlei folgenschwere Stereotypen müssten aufgebrochen werden und vor allem, wie Simone betonte, dagegengehalten werden. Sie bestärkt Frauen nachhaltig darin, mutig zu sein und für das einzustehen, was sie wollen. So solle man sich nicht zurücknehmen und erklären, man könne nicht fließend Mandarin sprechen, sondern viel eher die Vorzüge aufzählen, die es habe überhaupt Mandarin sprechen zu können. Frauen sollten mutig sein, sich das zu nehmen was sie wollen und nicht zurückstecken, in dem was die Gesellschaft ihnen vorgibt. Gegen diese festgefahrenen Schubladen anzukämpfen, sei schwer. Denn selbst, wenn man sich selbst davon befreie, muss das noch lange nicht fürs Gegenüber gelten. Deshalb müsse durch Bildung und Eigeninitiative daran gearbeitet werden, Frauen zu stärken und ihnen zu zeigen, dass sie in den Mustern, in die sie die Gesellschaft dränge nicht zwangsläufig gefangen sind.
Ein schönes Beispiel für eine mutige Entscheidung erhielten die interessierten Teilnehmer*innen in der anschließenden Rede Dr. Violeta Trkulja, die mit einer Partnerin das Unternehmen You, We & Digital gründete. Mit You, We & Digital möchte sie vor allem den digitalen Informationsaustausch fördern und Menschen einen Zugang zu digitalen Themen ermöglichen. So seien digitale Kompetenzen in der breiten Bevölkerung stark mangelhaft und sie habe es sich zur Aufgabe gemacht, den riesigen digitalen Vorrat in der Wissenschaft in ein didaktisches Konzept zu übersetzten, das eben diese Kluft schließen soll. Ihr Motto sei:„Wer nicht handelt, der wird behandelt“ und so wolle sie mit ihrem Unternehmen eine Wissenslücke in der Gesellschaft schließen, indem sie das digitale Wissen nicht nur zur Verfügung stelle, sondern auch einen Rahmen schaffe, in dem es in der Bevölkerung ankommt. Ich habe ihre Rede wie ein Schwamm aufgesogen und bin überhaupt immer noch total begeistert von diesen vielen starken Frauen auf dem Event, die sich gegenseitig mit ihren Erfolgsgeschichten Mut machten. Als jemand, die außer in Praktika oder Aushilfsjobs noch keinen Fuß in die ‚richtige‘ Arbeitswelt gesetzt hat, fand ich es unglaublich inspirierend, so viel Input aus dieser mir ganz neuen Welt zu bekommen. Zudem war es eine super Möglichkeit für Berufseinsteiger*innen, neue Kontakte zu knüpfen und sich im kurzen Speedmentoring über die Jobs der jeweiligen Frauen zu informieren. Im Zweiergespräch mit Simone Menne redeten wir über die Wichtigkeit der sektorenübergreifenden Einstellung von Mitarbeiter*innen. So sei es wichtig, eine gewisse Diversität im Unternehmen zu schaffen, was zu stark spezialisierte Blasen verhindere. Durch diese wäre der Blick fürs ‚Bigger Picture‘ getrübt und man könne sich unternehmerisch nicht weiterentwickeln. Sie gab mir einige hilfreiche Tipps, wie ich mit dem baldigen Ende meines Studiums besser umgehen könne und etwaige Entscheidungsfindungen leichter würden. So solle ich mir immer im Klaren sein, dass das was ich will auch das Einzige sei, was zählt. Sich so selbst zu reflektieren würde die Basis für eine Entscheidung legen, die ich dann nur noch treffen müsse. Außerdem solle ich mich von der Angst des Misserfolgs freimachen, denn diese würde nie zum Ziel führen. Auch wenn das natürlich immer leichter gesagt als getan sei, bereue man die Dinge, die man aus Angst vor dem Scheitern nie ausprobiert hat immer am meisten. Ich frage mich, ob ich mir ihre Ratschläge in ein paar Monaten wieder in den Kopf rufe, wenn ich vor der Entscheidung einer möglichen Doktorarbeit oder dem Einstieg ins Berufsleben bin. Denn darauf, wie ich mit dieser Entscheidung umgehe und welche ich treffe, bin ich selbst noch gespannt. 😀

Mit diesem wahrscheinlich beeindruckendsten aller Events neigte mein letzter ‚offizieller‘ Tag auf der #diwokiel19 dem Ende zu und die Woche ging wirklich schnell, fast ein bisschen zu schnell, vorbei. Morgen werde ich noch auf dem Pubquiz an der Kiellinie-Nord und abends auf der Aftershowparty bei Lille sein. Mitte bis Ende nächster Woche bekommt ihr dann ein ausführliches Fazit von mir, wie ich unser Digitalfestival insgesamt erlebt habe und was diese Erfahrungen, auch mit ein paar Tagen Distanz, in mir bewirkt und mit mir gemacht haben.

Bis dahin kommt erstmal gut ins Wochenende und wir sehen uns bestimmt morgen 🙂

Eure Verena