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IfGameSH

Zum Interview mit IfGameSH

Die Themen Gaming, GameDev und eSports werden immer relevanter. Nahezu täglich liest man in den Nachrichten von brandneuen Entwicklungen aus der Gamesbranche und auch in Kiel und Schleswig-Holstein bewegt sich einiges. Grund genug für unser Social Media Team, einmal bei IfGameSH in der starterkitchen.de vorbeizuschauen und die Mädels und Jungs mit Fragen zu löchern.

Moin und vielen Dank schon mal für eure Zeit. Erzählt es unseren Leser*innen: Was genau ist IfGameSH?

Jens: IfGameSH steht für ‚Initiative zur Förderung der Spielebranche in Schleswig-Holstein‘. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die regionale Spielebranche zum einen für Entwickler*innen als auch für eSportler*innen weiter voranzubringen. Das machen wir vor allem durch Communities und Events, die wir veranstalten und auch dadurch, dass wir für Aufklärung sorgen. Wir wollen der breiten Masse näherbringen, wie Spiele entstehen, was da für Potenziale drinstecken und was Spiele kulturell bedeuten können. Im Vergleich zum Medium Film beispielsweise sind Videospiele für viele noch eine unheimliche Black Box. Wenn ich die Berufe Regisseur*in oder Kameramann/-frau nenne, hat jede*r sofort ein Bild vor Augen, aber wenn ich jetzt Level Designer*in oder Narrative Designer*in nenne, wissen die wenigsten etwas damit anzufangen. Dadurch, dass so viele Menschen einfach nicht wissen, wie genau Videospiele entstehen, werden die Potenziale einfach grundsätzlich unterschätzt.

Mögt ihr euch einmal kurz vorstellen und erzählen, wie ihr zu IfGameSH gekommen seid?

Jule: Ich heiße Julia Seifert, arbeite eigentlich bei opencampus.sh und kann dadurch unter anderem Leuten die Organisation von Sessions zu einem bestimmten Thema ermöglichen. Dadurch bin ich auch mit Jens und Karo in Kontakt gekommen.

Jana: Mein Name ist Jana Möglich, ich war etwa 10 Jahre selbst als eSportlerin aktiv und auf verschiedenen Events, sowie bei der ESL im Community Management tätig. In den letzten 1,5 Jahren habe ich mich hier in Kiel immer mehr für eSports engagiert. In dieser Zeit wurde mir immer klarer, dass es hier in der Gegend zwar viele einzelne Akteur*innen gibt, die in dieser Richtung was auf die Beine stellen, aber noch kein strukturiertes Netzwerk. Im Oktober letzten Jahres bin ich dann auf Jens, Jule und Karo mit dem Vorschlag zugegangen, einen eSports-Stammtisch auf die Beine zu stellen. Da bot es sich direkt an, diesen Stammtisch unter dem Dach der IfGameSH zu veranstalten. Seitdem bin ich dabei und merke jedes Mal wieder, wie wichtig es ist, eine Institution hinter sich zu haben und nicht als Einzelperson aufzutreten. Das zeigt wiederum, wie fundamental wichtig solch ein thematisch gebündeltes Netzwerk ist.

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Jens, Jana und Jule von IfGameSH beim Interview (es fehlt: Karo Kraut); Stilecht im Hintergrund: Arcade-Automat des Games ‚Defender‘ von 1981.

Jens: Ich heiße Jens Bahr und entwickle Videospiele, seit ich denken kann. Mein erstes fertiges Spiel habe ich mit 12 programmiert, vorher habe ich mir immer nur neue Level für Tomb Raider ausgedacht (lacht). Seit einiger Zeit habe ich mein eigenes kleines Start-Up namens Off the Beaten Track hier in der starterkitchen.de, in dessen Rahmen ich Spiele entwickle. Ich setze mich auch darüber hinaus viel für die Videospielbranche ein, fahre auf Konferenzen und organisiere dort beispielsweise die Volunteers. Außerdem bin ich hier in Schleswig-Holstein Regionalvertreter des ‚game – Verband der deutschen Gamesbranche‘.

Jule: Ich würde einmal die Vorstellung von Karo übernehmen, die kann jetzt gerade nicht hier sein, da sie momentan ein Spiel entwickelt und in dem Zusammenhang Termindruck hat: Karolin Kraut ist Gründungsmitglied von IfGameSH und hat hier in der starterkitchen.de mit Storyyeller Games auch ein eigenes Studio, das vor kurzem das Gründungsstipendium erhalten hat.

Seit wann gibt’s euch und wie habt ihr euch gegründet?

Jule: Wir haben uns am 09. Januar 2018 gegründet, also fast genau vor einem Jahr. Über den Weg gelaufen sind wir uns hier in den Räumen des opencampus.sh, als Karo eine Session zum Thema GameDevelopment angeboten hat. In diesem Rahmen kamen wir ins Gespräch und haben festgestellt, dass wir alle dasselbe Problem hatten: Es gibt oder gab damals hier in Schleswig-Holstein keine Vernetzung zwischen Spielentwickler*innen und dementsprechend auch überhaupt keine Grundlagen für etwaige Förderungen. In der Session waren megatalentierte Leute anwesend, die auch hier in Schleswig-Holstein ausgebildet wurden, aber einfach keinen Job finden konnten und zwangsläufig in andere Bundesländer abwandern mussten. Diesen Teufelskreis wollten wir durchbrechen, haben dann die Initiative gegründet und direkt die ersten Netzwerk-Events veranstaltet. Die sind auch gleich super angekommen, was bis heute der Fall ist.

Jens: Richtig, wir hatten und haben eine kleine Meet-Up-Gruppe, die es schon 1,5 Jahre vor der eigentlichen Gründung von IfGameSH gab, und aus der dann schließlich der IndieGame-Stammtisch gewachsen ist. Diese ursprüngliche Gruppe wurde immer größer, bis es dann im Sommer 2017 zum ersten Treffen gekommen ist. Parallel gab’s eben Karos Sessions und wir wollten die verschiedenen Maßnahmen bündeln und koordinieren.

Was habt ihr seit der Gründung von IfGameSH für Aktionen und Strukturen auf den Weg gebracht?

Jens: Anfangs haben wir den IndieGame-Stammtisch aus der Taufe gehoben und die Sessions inhaltlich weiter ausgebaut. Unser erster wirklich großer Event war das Waterkant-Festival 2018, auf dem wir Spiele ausgestellt, Vorträge und Workshops gehalten und unseren ersten Game Jam auf die Beine gestellt haben. An dem haben damals 16 Leute teilgenommen, um innerhalb von 48 Stunden ein Spiel zu entwickeln, das bei einer großen Abschlusspräsentation dann auch dem Publikum präsentiert werden konnte.

Ihr hattet auf dem Waterkant auch externe Entwicklerstudios mit am Stand oder?

Jana: Korrekt, es gab da für IndieGameDeveloper die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Unter anderem war dann King Art Games in der Gaming Area, die Iron Harvest vorgestellt haben.

Jens: Das war allerdings nicht von ifGameSH direkt, sondern von opencampus.sh. initiiert. Jule hat das damals federführend organisiert.

Jule: Das war 2017, also bei der Premiere des Waterkant Festivals. da haben wir direkt über den Tellerrand nach Hamburg und Bremen geschaut und tolle Gäste von dort zu Besuch gehabt. 2018 gab’s dann bei uns am Stand schon insgesamt vier Games aus Schleswig-Holstein zu sehen, was unglaublich cool war. Da hat unsere Initiative schon allererste Früchte getragen, das war schön zu sehen.

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Jens und Karo beim Game Jam auf dem Waterkant Festival 2018

Jens: Eines der Teams, das beim Game Jam des Waterkant 2018 mitgemacht hat, hat so gut zusammengearbeitet, dass sie jetzt als Start-Up hier in der starterkitchen.de ansässig sind. Dabei handelt es sich um die Baltic Bumble Bees, die auch jetzt gerade wieder ein Spiel entwickeln. Die haben sich auf diesem Game Jam überhaupt erst kennengelernt und das macht uns natürlich megastolz.

Das klingt schon mal nach einer Menge.

Jens: Doch, ja. Außerdem haben wir auch noch an der Prototypingweek (PTW) im Februar 2018 teilgenommen, also einen Monat nach unserer Gründung. Das hat zeitlich natürlich super gepasst. Durch die dort angebotenen Exercises hatten wir direkt ein starkes Grundgerüst vorliegen, mit dem wir im Anschluss weiterarbeiten konnten. Bei den finalen Präsentationen der PTW im Studio Kino konnten wir dann auch gleich Aufmerksamkeit für unsere Initiative erzeugen und sind unmittelbar mit ein paar Politiker*innen ins Gespräch gekommen. Von denen hatten wir dann auch im Anschluss einige beim Stammtisch. Das war natürlich auch klasse, denen mal unsere Welt zeigen zu können. Selbst unser Ministerpräsident war schon mal beim Stammtisch, allerdings eher durch einen Zufall, weil er gerade einen Termin mit jemand anderem hatte. Aber er war da (lacht).

Selbstverständlich waren wir im letzten Jahr auch auf der Digitalen Woche Kiel, da gab’s superviel für uns zu tun. Ich selbst habe drei Vorträge gehalten und wir haben verschiedene Workshops gegeben. Es gab den Ocean Playground in der Halle400, auf dem Jana hinsichtlich des eSports-Themas sehr aktiv war. Und im Rahmen der #diwokiel haben wir dann auch den Digitalisierungspreis gewonnen, was natürlich unglaublich für uns war! Zum einen natürlich eine großartige Bestätigung, dass das, was wir machen auch Anklang findet und nicht nur wir Spieleentwickler*innen so positiv darüber denken. Außerdem tat die Finanzspritze natürlich auch gut, mit der wir jetzt auch mal den Gästen des Stammtischs was ausgeben oder unseren nächsten Game Jam professioneller organisieren können.

Ihr habt ein paar Mal erwähnt, dass ihr Game Jams veranstaltet, den nächsten jetzt am Wochenende (25.-27.01.) in der starterkitchen.de. Mögt ihr erzählen, was genau dort passiert?

Jens: Dieses Wochenende findet der Global Game Jam statt. Das ist eine ziemlich große Sache für uns, da es sich um den weltweit größten Game Jam handelt. Der findet weltweit gleichzeitig und das ganze Wochenende lang an verschiedenen Orten statt. Die Teilnehmer*innen können da nicht online dran teilnehmen, sondern müssen am jeweiligen Austragungsort präsent sein. Einen solchen Austragungsort bieten wir hier an. Das Prinzip ist, dass innerhalb von 48 Stunden ein Spiel entwickelt wird, also ein Hackathon stattfindet. Der Fokus liegt beim Global Game Jam auf Globalität und Diversität. Es geht auch darum, möglichst diverse Spiele zu programmieren und ebenso diverse Teams zu haben.

Gibt es Spiele zum Download, die auf einem Game Jam von euch entstanden sind?

Jule: Ja, „Mia Souls“ von den Baltic Bumble Bees ist online, sollte man unbedingt mal ausprobieren.

Was erwartet ihr euch von dem Event jetzt am Wochenende?

Jens: Eigentlich erhoffen wir uns von jedem unserer Game Jams, dass wir den Entwickler*innen und der ganzen Community hier in Kiel und Schleswig-Holstein eine adäquate Plattform bieten. Man soll sich kreativ austoben und neue Dinge lernen. Das ist für mich persönlich auch immer das Größte, dass ich auf jedem Game Jam, egal ob selbst oder von jemand anderem veranstaltet, etwas dazulernen kann. Außerdem freuen wir uns auf neue Leute, die vielleicht noch nie mit Spieleentwicklung in Berührung gekommen sind. Die stellen dann häufig zum allerersten Mal fest: Hey, das macht Spaß und ist ja etwas, das ich später eventuell auch beruflich ins Auge fassen kann. Es geht immer auch um‘s Abbauen von Barrieren, man kann einfach vorbeikommen und Dinge ausprobieren. Niemand muss hier besonders ausgefeilt oder perfekt programmieren. Es soll einfach was geschaffen werden, das einem selbst und auch anderen Leuten Spaß machen kann. Und auch Leute, die nicht unbedingt mitmachen wollen, sind herzlich eingeladen: Denn natürlich zeigen wir jeder und jedem gerne, was hier inzwischen schon für ein tolles Netzwerk entstanden ist.

Jana, ganz am Anfang hast du erwähnt, dass du einen eSports-Stammtisch unter dem Dach von IfGameSH veranstaltest. Was erwartet die Leute da?

Jana: Der erste eSports-Stammtisch hat jetzt am Mittwoch, 23.01. stattgefunden und wird in Zukunft einmal monatlich hier in der starterkitchen.de veranstaltet. Ähnlich wie beim IndieGame-Stammtisch geht es primär darum, die Szene zu vernetzen. Alle sollen an einen Tisch geholt werden, damit Dialog stattfinden kann. Wir haben in der Vergangenheit gemerkt, dass auf verschiedenen Ebenen hier in Kiel schon ganz viel passiert. Diese Ebenen nun miteinander zu verknüpfen und miteinander in Austausch zu bringen, ist eines der wichtigsten Anliegen des Stammtischs. Wir werden unter anderem beispielsweise Sportvereine einladen und die Bedürfnisse der Community offenlegen. Durch das alles erhoffen wir uns eine vernünftige Gesprächsbasis zum Thema eSports.

Der Vernetzungsprozess zwischen einzelnen Akteuren erscheint sehr zentral in eurer Initiative. Gibt’s da Netzwerkmöglichkeiten über die monatlichen Termine hinaus?

Jens: Ja, wir haben schon vor längerer Zeit einen Discord-Server aufgebaut, wo die Leute auch außerhalb des Stammtischs den Austausch miteinander suchen können. Hier wünschen wir uns einen noch regeren Austausch und versuchen auch selbst, immer wieder mal Input zu liefern, damit die Leute dort aktiver werden. Außerdem gibt’s auch immer noch unsere Meet-Up-Gruppe, die mit ungefähr 180 Leuten schon gut besucht ist.

Was steht für IfGameSH 2019 alles an?

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Zur Weiterbildung: Zwei der Bücher, die IfGameSH in der starterkitchen.de zur Lektüre vor Ort bereitstellt.

Jule: Sehr viel (lacht).

Jana: Wir haben die offizielle Vereinsgründung vor Augen.

Jule: Richtig, da wir inzwischen für die Game Jams auch Sponsorengelder generieren müssen, ist die Gründung eines eingetragenen Vereins der nächste logische Schritt für uns.

Jana: Nach dem Global GameJam jetzt am Wochenende wird der Fokus recht konzentriert auf der Gründung liegen. Weiterhin müssen und wollen wir dann natürlich schauen, wie wir unsere Themen GameDev und eSports ganzjährig bespielen.

Jens: Dann steht Ende Februar auch schon die Prototypingweek 2019 an. Dort werden wir als Mentor*innen bereitstehen. Im Juni findet das Waterkant statt, wo wir auch wieder dabei sind. Der Playground auf der Kieler Woche ist im Gespräch und im September geht’s dann ja auch wieder auf die Digitale Woche. Das ist natürlich für uns besonders relevant, da wir digitale Themen bespielen. Hier steht im Raum, ob wir einen Game Jam organisieren. Ein ganz großes Ding auf der #diwokiel werden auch die Baltic DevDays als eines der Leuchtturm-Events der Woche. Hierbei handelt es sich um eine internationale Konferenz für Spieleentwickler*innen, die Boris Zander von Seal Media veranstaltet. Dort werden wir natürlich auch mitarbeiten.

Jule: Aus politischer Sicht werden wir unsere Aufklärungsarbeit weiter vorantreiben und wollen unsere Kompetenzen in vielen Bereichen noch weiter ausbauen. Wir haben einfach ganz stark gemerkt, dass eine Institution als Ansprechpartner für Politiker*innen von essentieller Bedeutung für unsere Themen ist, da diese für viele Menschen einfach noch komplett neu daherkommen.

Jens: Es wird ein volles Jahr (lacht). Wer über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben möchte, darf uns natürlich gerne bei Twitter oder Facebook folgen.

Das klingt auf jeden Fall so. Wir bedanken uns für eure Zeit, wünschen viel Spaß und Erfolg mit dem Game Jam und 2019 insgesamt.

Fotos: Julia Seifert (IfGameSH)