Interview mit Jonas Dageförde – CDO der Landeshauptstadt Kiel

Wir durften Jonas Dageförde, seit 01.01.2019 Chief Digital Officer (CDO) der Landeshauptstadt Kiel, ein paar Fragen stellen, die wir Euch selbstverständlich nicht vorenthalten möchten:

Lieber Jonas, vielen Dank für Deine Zeit. Wie wird man CDO einer Landeshauptstadt?

In 2018 haben meine Familie und ich entschieden, zurück in unsere Heimat Kiel zu ziehen. Die Stelle des CDO, welche in 2018 ausgeschrieben war und nicht besetzt werden konnte, bot und bietet mir, die Chancen digitaler Technologien für das Gemeinwohl einsetzen zu können. Das reizt mich.

Meine Begeisterung für Computer und Programmieren habe ich an den damals ganz neuen Computern in der Schule entdeckt. Während meines Informatik-Studiums habe ich meine erste Software-Firma mit einem Partner gegründet und Softwareprodukte entwickelt. Später konnte ich Erfahrungen im Projektmanagement und der Lean Management Beratung in internationalen Projekten bei Daimler in Deutschland, China und den USA sammeln. Ich habe multi-disziplinäre Teams in unterschiedlichen Rollen geleitet, z.B. als Projektleiter, Lean Manager und Scrum Master. Zuletzt konnte ich die Digitalisierung bei Festool, einem mittelständischen Familien-geführten Hersteller von Elektrowerkzeugen für das Handwerk, einleiten, den Bereich Internet of Things (IoT) aufbauen sowie einen neuen Bereich für digitale Geschäftsmodelle gründen.

Die unterschiedlichen Rollen in der Entwicklung von Softwareprodukten und digitalen Diensten, dem Aufbau neuer Geschäftsmodelle und der Veränderung von Organisationskultur geben mir einen guten Einblick in die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung.

 

Was stand in den ersten Monaten als CDO im Fokus deiner Arbeit?

Zuerst haben wir eine Bestandsaufnahme bereits laufender und konkret geplanter digitaler Dienste und Projekte durchgeführt. Im Mai konnten wir die Version 1.0 der Digitalen Strategie der Landeshauptstadt Kiel veröffentlichen. Zusätzlich haben wir uns als Region gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Politik beim Bundesministerium des Innern als „Modellprojekt Smart Cities“ beworben. Ziel ist, gemeinsam mit den Menschen in der Region Lösungen für aktuelle Herausforderungen wie Mobilität, den Klimaschutz oder die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu entwickeln. Für mich persönlich ist es wichtig, die Verwaltung weiter kennenzulernen, da ich meine Erfahrungen in Wirtschaft und Wissenschaft gesammelt habe. Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit den Dezernaten der Kieler Stadtverwaltung ein Konzept entworfen, um die digitale Transformation der Verwaltung auf den Weg zu bringen und neue digitale Dienstleistungen für die Menschen in Kiel zu entwickeln.

Jonas auf einem Netzwerktreffen der #diwokiel19 im Camp 24/7

Was kannst du uns über die Smart City Conference zur diwokiel19 erzählen?

Das wird ein spannendes Event, auf das ich mich sehr freue: Am 11.9.2019 veranstalten wir als Landeshauptstadt Kiel zusammen mit der KiWi,  dem Verein The Bay Areas e.V., der Digitalen Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH), sowie den Open and Agile Smart Cities (OASC) und der FIWARE Foundation e.V. diese internationale Smart City Conference bei uns im Kieler Rathaus. Im Kern wird es  darum gehen, wie wir mit digitalen Technologien das Leben in unserer Stadt einfacher und besser machen können. Dabei spielen natürlich Themen wie Mobilität, Datenökonomie oder eGovernment eine große Rolle – vor allem aber wollen wir von unseren Gästen aber auch lernen, wie Bürgerinnen und Bürger von Beginn an in die Entwicklung einer Smart City einbezogen werden können. Viele unserer internationalen Partnerstädte haben sich dafür gewinnen lassen, ihre Erfahrungen an diesem Tag mit uns zu teilen. Das ist toll und wird uns viele wichtige Impulse für den Weg zur Smart City Kiel geben.

 

Was wünscht Du dir darüber hinaus für die Digitale Woche Kiel 2019?

Ich wünsche mir eine große Beteiligung der Menschen in Kiel und der Region. Wir müssen uns mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Der Dialog mit den Menschen und die Auseinandersetzung mit digitalen Technologien ist entscheidend, um Lösungen ohne inakzeptable Nebenwirkungen entwickeln zu können. Die Digitale Woche Kiel ist eine großartige Veranstaltung, welche Menschen mit wissenschaftlichem, unternehmerischem, politischem und persönlichem Interesse an digitalen Themen zusammenbringt. Der „Festivalcharakter“ der Digitalen Woche Kiel schafft eine nahbare Atmosphäre und lädt viele unterschiedliche Menschen ein, sich mit digitalen Themen zu beschäftigen. Wir brauchen Menschen mit offenem Mindset, Neugier und dem Mut, Neues auszuprobieren und zu testen. Die diwokiel kann Menschen zusammenbringen und einen Raum für neue digitale Ideen bieten. Wenn ich Menschen erlebe, die mutig und neugierig neue Ideen denken, umsetzen und Fehler als Lernchance sehen, kann dies auch ermutigend auf mich wirken.

 

Was schätzt du besonders an Kiel?

In Kiel kann ich das Meer am Strand, in Badeanstalten, schwimmenden Strand-Pontons, in Cafés und Restaurants am Wasser oder auf Fahrradwegen direkt an der Küste genießen. Kiel hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Mit Open Campus, der Starterkitchen, dem Fablab Kiel, dem Fleet7, einem Waterkant Festival, der diwokiel und vielem mehr ist in der Landeshauptstadt eine kreative Szene entstanden. Ich erlebe Kiel heute mit dem richtigen Mix aus Aufbruch, Begeisterung, Kooperation und Gelassenheit: das gefällt mir als Kieler Sprotte besonders gut.

Jonas, vielen Dank für Deine Antworten und bis bald auf der #diwokiel19!