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Steffen Voß über den Kieler WebMontag

Der WebMontag hat sich bereits seit Jahren in der Kieler Digital-Szene etabliert und ist aus Selbiger nicht mehr wegzudenken. Wir haben Steffen Voß, den Gründer des WebMontags getroffen und durften ihm ein paar Fragen zu seiner hochinteressanten Veranstaltungsreihe stellen:

Steffen, vielen Dank für deine Zeit. Erzähl’s uns: Was ist der WebMontag?

Zum WebMontag können alle kommen, die sich für das Internet interessieren – aus technischer Sicht oder aus kultureller, gesellschaftlicher oder politischer Perspektive. Wir halten uns dann gegenseitig kurze Vorträge und diskutieren drüber. In der Regel kommt ein weites Spektrum von Leuten aus allen möglichen Branchen.

Seit wann gibt es den WebMontag?

Am 23. Oktober 2006 haben wir uns mit fünf Leuten zum ersten Mal getroffen – damals noch im „Storchnest“.

Wie kam dir die Idee zum WebMontag?

Ich war damals noch im Studium, habe aber bereits als Web-Entwickler gearbeitet – freiberuflich und als Hiwi im Geografischen Institut. Ich kannte aber fast niemanden, der noch in diesem Bereich gearbeitet hat. Darüber habe ich mit dem Webmaster der Fachschaft Geografie auf einer Institutsfeier gesprochen. Der wies mich auf den WebMontag hin: „Das gibt es schon in anderen Städten – ich hab aber keine Zeit dazu. Mach du das doch mal.“ Das hab ich gemacht.

Ich habe Stephan Dirks gefragt, der sich damals um die Technik bei kiel4kiel.de gekümmert hat. Wir haben dann einen Termin für in 3 Monaten auf der Seite von webmontag.de eingetragen und gesagt, wenn da jemand kommt, ist es ein WebMontag und sonst trinken wir ein Bier und hauen wieder ab. Wie gesagt, es kamen noch drei andere Personen.

Bei den ersten zwei Treffen haben wir besprochen, wie wir den WebMontag bekannter machen können – danach haben wir uns im Medienzentrum W8 in der Werftbahnstraße getroffen und angefangen tatsächlich Vorträge zu halten und darüber zu diskutieren. Das war ziemlich urig da – das sind ja die Räume des ehemaligen Achterbahn-Verlags und alles sieht nach „Werner“ aus.

Die W8 wurde bald zu eng. Wir sind ins KITZ umgezogen und wir waren da viele Jahre – dank Dieter Fritzsche konnten wir das immer frei nutzen. Als dann Alexander Ohrt mit seiner Starterkitchen auf dem BarCamp Kiel auftauchte und ankündigte, dass die dort um die Ecke bald aufmachen, war mir klar, dass das super passt. Seither sind wir dort und total glücklich, weils es dort noch viele tolle Leute drauf zu gab und wir den WebMontag auch noch einmal neu ausrichten konnten.

WebMontag Kiel

Volles Haus beim WebMontag – seit einigen Jahren ein gewohntes Bild

Wie oft/wann findet der WebMontag immer statt?

In den ersten 10 Jahren fand der WebMontag monatlich statt – seit einiger Zeit treffen wir uns alle zwei Monate in der Regel am 3. Montag.

Was war der für dich bis jetzt spannendste/interessanteste Termin des WebMontags?

Die Highlights waren natürlich im letzten Jahr der Besuch von Oberbürgermeister Kämpfer, der bei uns mehr oder weniger zum ersten Mal seine Idee von der Digitalen Woche Kiel vorgestellt hat. Da war die Starterkitchen brechend voll. Und unser WebMontag dann in der Digitalen Woche selbst mit Frau Omrii von der Estnischen Botschaft in Berlin war natürlich auch ganz besonders interessant.

Ich finde aber auch generell spannend, dass wir einfach oft am Puls der Zeit sind. In der Rückschau klingt es komisch, aber als das erste Mal jemand ein iPad mitbrachte – das war schon aufregend.

Gibt es irgendein oder mehrere spannende Projekte, das/die sich aus dem WebMontag heraus entwickelt haben?

Das BarCamp Kiel ist aus dem WebMontag entstanden. Das Konzept hat damals Tim Schlotfeldt bei einer Veranstaltung vorgestellt. Alexander Graf hat das später noch einmal unterstützt und dann haben wir das tatsächlich angepackt – und ich vermute, aus dem BarCamp Kiel sind dann die BarCamps in Flensburg und Lübeck entstanden. Ich glaube, das in St. Peter-Ording hat andere Wurzeln.

Ich hatte mich auch damals mit Frank Bartels von der Toppoint unterhalten – der alte Bürger-Internet-Verein blühte damals als Hackerspace gerade neu auf und die alten Räumlichkeiten platzen aus allen Nähten. Ich hab darauf hingewiesen, dass es im Wissenschaftspark relativ günstige Räume gebe – heute sitzen die da, in tollen großen Räumen mit viel Platz zum Technik-Frickeln. Nebenan ist das FabLab, die Straße runter sind Starterkitchen und Wissenschaftszentrum, auf der anderen Straßenseite das Gemeinschaftsbüro von Cr3ate und Addix, die alles mit Glasfaser versorgt haben.

Ich glaube, das passt alles ganz hervorragend zusammen. Da entsteht so etwas wie eine Szene, der WebMontag ist mittendrin und und alle sind herzlich eingeladen. Darüber hinaus haben sich beim WebMontag eine ganze Menge Leute kennengelernt, die dann zusammen irgendwas gemacht haben. Das Netzwerken scheint da zu klappen. Ich glaube, dass das eine der wichtigsten Leistungen des WebMontags ist: Leute zusammen bringen, die gemeinsam tolle Sachen machen.

WebMontag Kiel

Das kleine Buffet und die leckere Suppe beim WebMontag sind auch absolut nicht zu verachten

Was machst du projekttechnisch über den WebMontag hinaus?

Ich arbeite bei der SPD Schleswig-Holstein und kümmere mich da um alles, was mit dem Internet zu tun hat: Website, Social-Media, Livestreams usw. Als Hobby-Historiker betreibe ich ein Wiki zur SPD-Geschichte in Schleswig-Holstein unter https://www.spd-geschichtswerkstatt.de, ich blogge unter https://kaffeeringe.de und schreibe eine Netz-Kolumne für shz.de. Aus meiner Zeit als Freiberufler habe ich noch 2-3 Kunden, um die ich mich kümmere und seit meinen ersten Tagen im Netz kümmere ich mich um die Website des Hamburger Musikers Bernd Begemann.

Wird das Format in irgendeiner Form auf der #diwokiel vertreten sein?

Klar! Am 10. September wird der WebMontag stattfinden – wir suchen noch nach einem speziellen Gast. Ja, auch das ist nicht der 3. Montag im September – leider richtet sich die Digitale Woche Kiel noch nicht nach dem WebMontag. (lacht)

Steffen, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit diesem tollen Projekt!